FARBFELDER ROT-ORANGE
Die beiden Arbeiten stehen in einer bewussten Auseinandersetzung mit der Tradition der Farbfeldmalerei, insbesondere mit den atmosphärisch aufgeladenen Kompositionen von Mark Rothko. Wie bei Rothko entfalten sich die Farbfelder nicht als reine Flächen, sondern als emotionale Räume, deren Wirkung aus Schichtung, Transparenz und feinen Übergängen entsteht. Farbe wird hier nicht als dekoratives Element verstanden, sondern als Träger von Stimmung, Tiefe und innerer Resonanz.
In klar gegliederten horizontalen Zonen sind die Farbfelder übereinander geschichtet und erzeugen ein spannungsvolles Gleichgewicht von Ruhe und Intensität. Die warmen Rot-, Gelb- und Ockertöne erinnern an Rothkos leuchtende, zugleich meditative Farbklänge. Die weichen, leicht vibrierenden Ränder der Farbfelder lassen die Flächen ineinander übergehen und erzeugen den Eindruck eines atmenden Bildraums – ein zentrales Merkmal der Farbfeldmalerei Rothkos.
Die hellen, nahezu schwebenden weißen Zonen fungieren als visuelle Pausen oder Schwellen. Sie trennen und verbinden zugleich die kräftigeren Farbflächen und schaffen eine Tiefe, die den Blick nicht festhält, sondern langsam in das Bild hineinzieht. Die sichtbaren Lasuren und Überlagerungen verleihen den Werken eine körperliche Präsenz, bei der der Entstehungsprozess bewusst spürbar bleibt.
Im Unterschied zu Rothkos monumentalen Formaten wirken diese Arbeiten intimer und konzentrierter, bewahren jedoch dessen Grundhaltung: Farbe als Erfahrungsraum. Sie laden nicht zur Analyse, sondern zur stillen Wahrnehmung ein. In ihrer reduzierten Klarheit eröffnen sie einen meditativen Bildraum, in dem Farbe als emotionale Landschaft erfahrbar wird – zwischen Spannung und Stille, Nähe und Distanz, Leuchten und Zurücknahme.

